Landestreffen des Netzwerks „Schule ohne Rassismus“

Von |2018-10-23T23:16:00+00:0018. September 2018|Exkursionen|

Am 18.09.2018 fand in der Gedenkstätte KZ Osthofen das diesjährige Landestreffen des Schulnetzwerks „Schule ohne Rassismus –Schule mit Courage“ statt. Natürlich war auch unsere Schule wieder beim Netzwerktreffen vertreten. Dieses Mal waren von unserem Schülerteam Sophia-Josephine Bernhard und Mercedes Rayburn dabei, vom Lehrerteam besuchte Michael Teuffer die Veranstaltung. Schwerpunkt in diesem Jahr war u.a. das Thema Antisemitismus. Dieses Thema wurde nicht zufällig gewählt, da es in Deutschland in letzter Zeit zu einer massiven Zunahme antisemitischer Straftaten gekommen war. Aus diesem Grund widmeten sich auch einige der Schüler-Workshops und ein Lehrer-Workshop dem Schwerpunkt Antisemitismus.
Sophia-Josephine und Mercedes besuchten am Vormittag den Workshop „Von Bildern in unseren Köpfen, menschenverachtende Einstellungen und Neonazis“. Der Workshop war inhaltlich durchaus interessant, allerdings fanden ihn die Schülerinnen zu verschult und zu wenig praxisorientiert. Nachmittags besuchte Sophia-Josephine den Workshop „Zivilcourage – Helfen ist leichter, als du denkst!“, Mercedes nahm am Workshop „Diskriminier mich nicht!“ teil. Diese beiden Workshops kamen bei den Schülerinnen gut an, insbesondere wegen der methodischen Umsetzung.
Im Lehrer-Workshop „DemocraCity – Demokratie verstehen!“ wurde vom Zentrum für politische Bildung Luxemburg ein Rollenspiel besonderer Art vorgestellt. Durch die Gründung einer Partei und den gemeinsamen Bau einer Stadt versetzen sich die Schülerinnen und Schüler in die politische Wirklichkeit hinein. Anhand dieser Simulation der politischen Wirklichkeit arbeitet die Gruppe mit Begeisterung an einem politischen Projekt. So erfahren die Schülerinnen und Schüler, dass Beratung, Argumentation und Konsens in einer demokratischen Gesellschaft notwendig sind und dass die Stimme eines jeden zählt. Die anschauliche Vorstellung des Rollenspiels inspirierte dazu, das Spiel mit eigenen Klassen durchzuführen.
Der zweite Lehrer-Workshop „Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit begegnen“ hatte nicht die gleiche Qualität. Obwohl ausdrücklich im Titel genannt, kam das Thema Antisemitismus nur am Rande vor. Was noch schlimmer war: Die Auswahl eines Beispiels in der Einstiegspräsentation war tendenziös und wenig repräsentativ, zumal es das antisemitische Bild vom Juden als Täter verstärkte. Auf Nachfrage kam vom Referenten keine substanzielle Antwort und auch den Großteil der übrigen Teilnehmerinnen und Teilnehmer schien das nicht zu stören. Überhaupt fehlte dem Workshop jede Substanz bezüglich der Auseinandersetzung mit dem Thema Antisemitismus. Der Begriff und die verschiedenen Erscheinungsformen des Antisemitismus wurden nicht geklärt, Gründe und aktuelle Vorfälle wurden nicht thematisiert und am bedeutendsten: Es wurde mit keinem Wort erwähnt, wie man präventiv im Schulkontext mit der Thematik umgehen soll. Insofern konterkarierte der Workshop geradezu die Vorankündigung, wo es hieß: „[…] erhalten Sie Handlungsoptionen für Ihren Unterricht. Unter anderem werden folgende Fragestellungen behandelt: Wie gehe ich als Lehrkraft mit antisemitischen Ressentiments um? Wie kann ich im Unterricht für das Thema sensibilisieren? Und wie gehe ich mit verbalen und tätlichen Übergriffen um?“
Ein grundsätzliches Problem in der Auseinandersetzung mit Antisemitismus ist zudem, dass vielen Lehrkräften die Sensibilität fehlt, antisemitische Diskriminierungen zu erkennen und die allerwenigsten Lehrkräfte haben ausreichende Kenntnisse über den „Nahostkonflikt“. Insgesamt hätte man diese zweieinhalb Workshop-Stunden sinnvoller verbringen können.
Es bleibt zu hoffen, dass das wichtige Thema der Bekämpfung von Antisemitismus in Zukunft weiter aufgegriffen und konstruktiver bearbeitet wird.