Am ersten Wochenende im aktuellen Schuljahr war die Welt noch in Ordnung. Das Schulleitungsteam befand sich auf einer Klausurtagung in Bad Dürkheim und analysierte und plante…bis schließlich spätestens beim Frühstück die Nachricht vom nächtlichen Brand in der Schule bei allen angekommen war. Und von da an wurde dann vieles etwas turbulenter als in den vergangenen Jahren.
Über den Brand in der Schule und die Folgen haben wir schon ausführlich berichtet. Seitdem ist immer noch ein Treppenhaus gesperrt, ab und zu wird noch gebohrt und gehämmert, aber der Betrieb lief relativ zügig wieder an und alles kehrte langsam in gewohnte Bahnen zuürck.
„Gewohnte Bahnen“ bedeutet an unserer Schule: Durchführung und Weiterentwicklung eines an modernen didaktischen Grundsätzen orientierten Unterrichts. Für diese Weiterentwicklung wurde im Dezember ein Studientag durchgeführt, an dem Arbeitspläne, Selbstgesteuertes Lernen und Digitalisierung im Mittelpunkt standen. Ein zweiter Schwerpunkt war die Erstellung eines Medienbildungskonzeptes, das Voraussetzung für die Beantragung der Mittel aus dem Digitalpakt ist. Zu diesem Zweck veranstalteten wir einen pädagogischen Nachmittag, der zur Information des Kollegiums diente, aber auch zur Diskussion und zur ersten Erarbeitung von Inhalten. Mittlerweile haben wir unser Konzept erstellt und zur Prüfung eingereicht. Im November verabschiedeten wir dann auch unsere neuen Zielvereinbarungen mit der ADD und führten eine erste konstituierende Sitzung mit der Steuergruppe durch.
Unser Schulleben ist darüberhinaus gekennzeichnet durch zahlreiche Exkursionen, durch die Teilnahme an Wettbewerben und durch interessante Veranstaltungen externer Referentinnen und Referenten an unserer Schule. Ein Highlight in diesem Schuljahr war die Durchführung des schulweiten Gesundheitstags. Das Kollegium organisierte im September einen grünen Studientag (ein kleiner Bericht hierzu findet sich im Newsletter), viele Kolleginnen und Kollegen besuchten die zahlreichen angebotenen Fortbildungen und einzelne Kolleginnen und Kollegen begaben sich auf Studienreisen nach Berlin oder Israel. Von besonderer Bedeutung für unsere Schule sind immer die Aktionen unserer „Schule-ohne-Rassismus“-Teams. Eine besonders interessante Veranstaltung führte unser Team im September im sehr gut besuchten Forum der Jugend in Mannheim zum Thema „Antisemitismus im Fußball“ durch.
Und so ging eigentlich alles wieder seinen gewohnten Gang, auch wenn wir zwischenzeitlich wegen einer Sturmwarnung einmal montags kurzfristig die Schule schließen mussten.
Und dann kam…Corona.
Grundsätzlich waren wir für die Herausforderungen des Homeschoolings gut aufgestellt. Eine wesentliche Voraussetzung für das gute Funktionieren hat unserer Team „Digitalisierung“ mit Sören Schuck und Elias Capalbo geschaffen, die seit 2018 regelmäßig interne Fortbildungen zu verschiedenen unterrichtsrelevanten Tools anbieten (z.B. Umgang mit digitaler Tafel, Padlet, FeedbackSchule). Auf diese Ressourcen konnten viele Lehrkräfte nach der Schulschließung in den Wochen vor den Osterferien zurückgreifen. Zudem berieten die beiden die Lehrkräfte rund um die Uhr bei Fragen zu einzelnen digitalen Aspekten. Im Kern stützte sich an unserer Schule der digitale Unterricht bei der Vermittlung der Lerninhalte auf die Tools E-Mail, Moodle, Schul.Cloud und Skype. Insbesondere Schul.Cloud und Skype sind sehr niedrigschwellig („Opakompatibel“) und deshalb besonders gut geeignet, um vereinfachte Zugänge zu ermöglichen und möglichst viele Schülerinnen und Schüler zu erreichen. Für Schul.Cloud, das sehr WhatsApp ähnelt, müssen wir allerdings noch einen kleinen Verhaltenskodex veröffentlichen. Einige Schüler posteten in die Gruppen Verschwörungsvideos und Ähnliches, das dort nicht hingehört. Auch die Schulleitung nutzte in ihren täglichen Meetings Skype, ebenso wie viele Kolleginnen und Kollegen in ihren Besprechungen. Allerdings probierten wir auch andere Programme aus, wie z.B. Zoom. In Zukunft werden wir wohl aus Datenschutzgründen auf WebEx umsteigen, jedoch ist in dieser Hinsicht das letzte Wort noch nicht gesprochen.
Um ein Feedback zu erhalten, wie gut der Unterricht in dieser außergewöhnlichen Zeit klappt, hat unser Digitalisierungsteam zwei Umfragen mit Hilfe der App „FeedbackSchule“ durchgeführt. So wurden zum einen die Lehrkräfte, zum anderen die Schülerinnen und Schüler zu verschiedenen Gesichtspunkten des digitalen Unterrichts befragt. Die Ergebnisse liegen vor, Verbesserungspotentiale sind erkannt und werden umgesetzt. Insgesamt waren die Rückmeldungen von Seiten der Schülerinnen und Schüler durchaus positiv und mit den sehr differenzierten Stellungnahmen lässt sich arbeiten.
Ein paar persönliche Eindrücke aus dem Skypeunterricht mit den Industriekaufleuten und mit der Höheren Berufsfachschule: Mit den Industriekaufleuten klappte der Skypeunterricht vorzüglich. Alle waren immer per Video zugeschaltet, hatten die Arbeitsaufträge vorbereitet und machten sogar Verbesserungsvorschläge für die Durchführung der Skype-Sessions. Mit der HBF war es ein gemischtes Vergnügen: Sitzungen vor 11 Uhr brauchte man meist gar nicht anzusetzen, weil viele sich direkt aus dem Bett zuschalteten. Aufgefallen ist mir im Laufe der Zeit auch ein großer Unterschied hinsichtlich der Geschlechter. Während die Schülerinnen sehr diszipliniert an den Sitzungen teilnahmen, fehlten Schüler im Laufe der Zeit zunehmend. Die Zeit der Männer ist offensichtlich abgelaufen 🙂
Nach den Osterferien sollten dann gemäß den Beschlüssen der Landesregierung die Klassen gestaffelt und im Schichtbetrieb langsam wieder in den Präsenzunterricht zurückkehren. Diese Rückkehr wurde durch unser Team „Gesundheitsmanagement“ akribisch vorbereitet, weil natürlich die Hygieneregeln eingehalten werden mussten. Es erfolgten z.B. die entsprechenden Ausschilderungen, die Einteilung der Aufsichten, um die Abstandsregeln zu beachten, die Bestellung von Desinfektionsmitteln, usw. An dieser ganzen Vorbereitung waren neben den Lehrkräften und der Schulleitung auch unsere Sekretärinnen und unser Hausmeister maßgeblich beteiligt.
Zunächst wurden dann die Prüfungen durchgeführt. So wurden die Kolloquien und Prüfungen der HBF als erstes abgehalten. Die Prüfungen wurden von Gaby Garrecht, der Abteilungsleiterin im kaufmännischen Bereich, unter Beachtung des Hygieneplans organisiert und konnten ohne Probleme stattfinden. Die Organisation des Unterrichts ist unter diesen Umständen eine weitere durchaus anspruchsvolle Aufgabe, weil manche Lehrerinnen und Lehrer aufgrund ihres Alters vom Präsenzunterricht befreit sind, die Klassen oft schichtweise an unterschiedlichen Tagen kommen, kurzum: vieles umgestellt werden musste. Mittlerweile hat sich jedoch das meiste eingespielt und von wenigen Ausnahmen abgesehen, läuft auch alles recht ordentlich. Hierfür ist auch unser Personalrat mitverantwortlich, der natürlich darauf achtet, dass alle Vorgaben (z.B. das Lüftungskonzept) möglichst exakt eingehalten werden.
Im Nachhinein betrachtet, brachte die Zeit der Ausgangsbeschränkungen und Schulschließung auch so manches Positive hervor: Die Schülerinnen in der Höheren Berufsfachschule veröffentlichten kurzfristig zwei satirische Videos über das Leben in Zeiten von Corona und unsere Schul-und Rassismus-Teams schafften es mit ihrer spontanen Bildaktion „Wir beiben zuhause“ auf die Instagram- und Facebook-Seiten der Bundeskoordination von Schule-ohne-Rassismus und auf die Facebookseite der Landeszentrale für politische Bildung (Infos zu den Aktionen finden sich hier). Und wie wichtig die im Zuge der Bildaktion angesprochene Warnung unseres Lehrerteams vor Verschwörungstheorien war, kann man jetzt tagtäglich in den Medien verfolgen. Gerade bei der Förderung der Medienkompetenz „Analysieren und Reflektieren“ muss hier die Sensibilisierung von Schülerinnen und Schülern bezüglich Querfrontlern, Verschwörungstheoretikern, Esoterikern, Fake News, Rechtspopulisten usw. noch stärker in den Fokus genommen werden.
Was bleibt? Noch sechs Wochen bis zu den Sommerferien. Wir sind sehr zuversichtlich, auch diese Wochen mit einer so tollen Schulgemeinschaft ohne größere Probleme bewältigen und noch die eine oder andere wichtige Aktion mit Schülerinnen und Schülern durchzuführen zu können.
Und nach den Ferien sehen wir mal weiter…